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Doing The Dirty Work? Migrantinnen in der bezahlten Hausarbeit in Europa

Bridget Anderson ist eine unserer RednerInnen am Anderen Davos. Ihre in Buchform erschienene Untersuchung bearbeitet eine Schnittstelle der Themen Prekarität und Migration, die dieses Jahr am Anderen Davos im Zentrum stehen. In "Doing The Dirty Work? Migrantinnen in der bezahlten Hausarbeit in Europa" thematisiert Bridget Anderson den Privathaushalt als Weltmarkt für weibliche Arbeitskräfte. Mit Erlaubnis des Verlags drucken wir hier die Schlussfolgerungen ihres Buches ab (Red.).

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen migrantischer Hausarbeiterinnen werden zu einem grossen Teil bestimmt durch die Überschneidung der Beziehungen, welche die Arbeiterinnen einerseits zu ihren ArbeitgeberInnen und andererseits zum Staat haben. Staatsbürgerschaft und Einwanderungsstatus sind dabei entscheidende Faktoren. Die Macht des Staates wird oftmals benutzt, um die Abhängigkeit einer Arbeiterin von ihrer ArbeitgeberIn zu verstärken und Herr/Herrin-Knecht-Verhältnisse zu institutionalisieren, so dass die Arbeiterin ihrer ArbeitgeberIn 24 Stunden am Tag unterworfen ist. Staatsbürgerschaft und Einwanderungsstatus sind Bereiche, in denen es zumindest Organisierungsmöglichkeiten gibt, wenn man etwas ändern will; in ihnen sind spezifische Verbesserungen und verbindende organisierende Prinzipien enthalten. In einer Nebenrolle war ich in der Unterstützung solcher Kämpfe engagiert und weiss, dass sie nicht leicht zu führen sind. Aber man kann sie gewinnen, und schon der Kampf als solcher ist ein materieller Gewinn. Ich möchte Arbeiterinnen und Aktivistinnen auch zu bedenken geben, das live-in Hausarbeit die Arbeiterin trotz aller Vorteile, die sie zu bieten scheint, in eine Status- und Abhängigkeitsbeziehung einbindet, die durch Rassismus vermittelt ist. Wie man sich innerhalb dieser Beziehung für Rechte, Gerechtigkeit und Gleichheit organisieren will - wenn es denn überhaupt möglich ist - muss ernsthaft überlegt werden.

Der Einwanderungsstatus ist nicht der einzige Grund dafür, dass Migrantinnen in der Hausarbeit beschäftigt sind, und er ist auch nicht der einzige Faktor, der bei ihrem Missbrauch und ihrer Ausbeutung zum Tragen kommt. Die Behandlung migrantischer Hausarbeiterinnen und die "Nachfrage" nach ihnen ist in erster Linie ein Symptom für die fundamentalen Widersprüche und Spannungen innerhalb des Kapitalismus, der sowohl rassistisch als auch patriarchal ist. Die Trennung zwischen öffentlich und privat, schreckliche Armut und demonstrativer Reichtum, der auf der Geschichte eines ungezügelten und räuberischen Imperialismus gegründet ist - hier liegen die Wurzeln für die Probleme, mit denen Frauen konfrontiert werden, die als migrantische Hausarbeiterinnen arbeiten. Ich habe diese Arbeit mit der Feststellung begonnen, dass Hausarbeit in Privathaushalten neben der Prostitution die verbreiteste Arbeit neu angekommener Migrantinnen ist. Die Ausdehnung und Rassifizierung der Prostitution, der bezahlten Hausarbeit und des Phänomens der "mail-order"-Braut ist eine Funktion der Ausdehnung des globalen Kapitalismus. Dies ist entmutigend und ermutigend: entmutigend weil die Kräfte, mit denen man konfrontiert ist, so mächtig sind, und ermutigend, weil es Möglichkeiten zu Bündnissen mit anderen Gruppen bietet, die aus einem anderen Grund gegen denselben Feind kämpfen.

Die theoretischen Herausforderungen, die durch die Hausarbeiterinnen aufgeworfen werden, erfordern, dass wir die Reproduktionsarbeit wieder in den Mittelpunkt rücken und kritisch hinterfragen, wie und was wir reproduzieren, und dass wir nicht nur das Persönliche politisch, sondern auch umgekehrt das Politische persönlich machen. Es besteht ein Bedarf an empirisch fundierter Theorie, um solche Bündnisse zu fördern und zu verstehen, was die einen Frauen miteinander verbindet und die anderen auseinander treibt. Eine solche Theorie muss in den realen, erlebten Erfahrungen der Arbeiterinnen angesiedelt sein. Ich hoffe, dass ich zeigen konnte, dass Arbeiterinnen und ArbeitgeberInnen ein Gefühl, ein soziales Bewusstsein für die Widersprüche haben, die sie zu managen versuchen. Im Unterschied zu den Arbeiterinnen hatte ich die Gelegenheit, Menschen aus vielen Migrantencommunities zuzuhören, die über Hausarbeit in verschiedenen europäischen Städten erzählt haben: ich hatte die Gelegenheit, über Hausarbeit und bezahlte Hausarbeit in der ganzen Welt zu lesen: ich hatte Zeit nachzudenken und ich hatte Kollegen, mit denen ich mich unterhalten konnte. Diese Möglichkeiten sind es, die mir die Hoffnung geben, dass ich etwas anzubieten habe, Stoff zum Nachdenken über Organisationsformen. Es handelt sich weitgehend um eine Dechiffrierung dessen, was Arbeiterinnen und ihre ArbeitgeberInnen mir erzählt haben, weil es auf ihren Erfahrungen basiert. Wie Josee gesagt hat: "Wir, die Dritte Welt, würdigen sie nicht herab, es sind eher sie, die uns herabwürdigen."

Aus: Bridget Anderson: Doing The Dirty Work? Migrantinnen in der bezahlten Hausarbeit in Europa. Verlag Assoziation A; aus dem Englischen von G. Deckert; ISBN 3-935936-36-2; Herausgegeben von Doris Schierbaum und Monika Becker; erschienen April 2006

Über dieseN Artikel:  

Online am 12. Januar 2007

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Deutschsprachiger Grundeinkommens-Kongress ATTACTUELL 3
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An dieser Nummer haben sich beteiligt:

Kampf der LandarbeiterInnen für würdige Arbeits- und Lebensbedingungen

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