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Das "Andere Davos" 2005 : erfolgreicher Widerstand

An die Medien

Bern, 23. Januar 2005

Gestern wurden unter dem Titel „Deglobalisierung oder Globalisierung von unten - Strategien gegen den weltweiten Kapitalismus“ die sechste Ausgabe der internationalen Konferenz “Das Andere Davos" ausgetragen, welche Bestandteil der Mobilisierung gegen das World Economic Forum (WEF) ist. Der von attac schweiz organisierte und von vielen Gewerkschaften, NGO und globalisierungskritischen Organisationen unterstützte Anlass, den die Berner Stadtregierung vor zwei Wochen im Kulturzentrum „Progr“ verbot, fand in der dezentral gelegenen „Dampfzentrale“ statt. Mehr als vierhundert BesucherInnen nahmen an den Diskussionen über die Perspektiven des weiteren Widerstandes teil. Dies ist als grosser Erfolg zu werten, ebenso wie die zahlreichen und vielfältigen friedlichen, bunten und phantasievollen Protestaktionen von gestern in der Berner Innenstadt gegen das WEF und das Demonstrationsverbot insgesamt, an denen sich - trotz massivem Polizeiaufgebot - Tausende beteiligten.

Am Ausgangspunkt der Diskussion auf der Konferenz stand der Vortrag des ugandischen Ökonomen Yash Tandon (Direktor der NGO SEATINI), der aufzeigte, welche Auswirkungen die neoliberale Globalisierung auf dem “vergessenen Kontinent" Afrika zeitigt, und alternative Entwicklungsmöglichkeiten dazu umriss. An Zusammenkünften wie dem WEF, an dem sich die einflussreichsten Unternehmensvertreter und Staatsmänner der Welt zu informellen Gesprächen treffen, werde die vorherrschende Globalisierung, die weltweit Menschen den Zugang zu lebensnotwendigen Gütern wie Wasser, Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung oder Bildung verwehrt, weiter vorangetrieben. Die „Deglobalisierung“, die Entflechtung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen, wäre jedoch nur ein Teil der Antwort. Vielmehr müsse es darum gehen, die Profitlogik des Kapitalismus, die gerade in Afrika Millionen von Menschen die Existenzgrundlage entziehe, zurückzuweisen.

In weiteren Interventionen wurde an diese Argumentation angeknüpft: Jacques-Chai Chomthongdi (Focus on the Global South, Thailand) hob hervor, dass die Politik der Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung gerade an der diesjährigen Ausgabe des WEF wieter forciert wird, wenn sich - auf Initiative von Bundesrat Joseph Deiss - die Handelsminister der 20 mächtigsten Staaten „informell“ treffen, um die nach der Konferenz von Cancún ins Stocken geratenen Verhandlungen innerhalb der WTO wieder in Gang zu setzen. Diese Globalisierung „von oben“ könne nur durch eine Globalisierung „von unten“ gestoppt werden. Angela Klein (Montagsdemonstrationen, Deutschland) und Gian Giacomo Mondovì (Gewerkschafts COBAS, Italien) betonten in ihren Ausführungen, dass es über die Solidarität mit den sozialen Bewegungen im Süden hinaus heute auch darum gehe, die destruktiven Auswirkungen neoliberaler Globalisierung auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen im Norden darzulegen. Meredith Kolodner (Antiwar Coalition New York) berichtete schliesslich von der Herausforderung, im Herzen des US-amerikanischen Imperiums nach den Wahlen wieder eine Protestbewegung aufzubauen.

attac Schweiz wertet die Konferenz „Das Andere Davos“ wie die Mobilisierung gegen das WEF insgesamt als einen grossen Erfolg. Trotz der auf Konfrontation und der Einschränkung demokratischer Rechte angelegten Strategie der rot-grün dominierten Stadtregierung in den letzten Wochen, gelang der Anti-WEF-Bewegung gestern eine eindrückliche Darstellung der Breite und Verschiedenheit des Protestes, welche auf grosse Sympathie in der Stadtbevölkerung stiess. Dass unter den tausenden von friedlich Demonstrierenden dennoch mehr als 84 „präventive“ Verhaftungen vorgenommen wurden und die Polizei mit ihrem massiven Aufgebot die Innenstadt in den Ausnahmezustand versetzte und die zahlreiche Demonstrierende fichierte, ist inakzeptabel und empörend. Die Anti-WEF-Bewegung geht jedoch gestärkt aus diesem Wochenende hervor und wird in den nächsten Tagen über geeignete Formen diskutieren, wie der Protest weiterzutragen ist.

für attac Schweiz, Michael Gemperle und Alessandro Pelizzari

Weitere Informationen: www.otherdavos.net

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Online am 2. Februar 2005

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